Extremsommer führt zu Trockenstress im Wald

Der Wald von oben mit vielen vertrockneten Bäumen
Flächig vertrocknete alte Buchen im Stadtwald Walldorf.

Mehrere Hitzewellen mit Spitzentemperaturen an die 40 Grad, gepaart mit einer langen Dürreperiode, prägten diesen Sommer. Die Folgen sind vielerorts sichtbar: Wer durch die Wälder des Rhein-Neckar-Kreises geht, bemerkt an einigen Stellen bereits verfärbte Baumkronen und braune Blätter am Boden, wie es normalerweise erst im Herbst passiert. Besonders auffällig ist der frühe Blattabfall bei Buchen.

Buchen zeigen ihre Belastungsgrenze

Buchen brauchen viel Wasser. Bei anhaltender Hitze und Trockenheit wird der Wassertransport im Stamm zum Problem. Das Wasser muss schließlich von den Wurzeln nach oben in die Krone geleitet werden, weil es dort über die Blätter verdunstet wird. Wenn der Boden austrocknet, reicht die Wassermenge aber nicht mehr aus, um den Bedarf der Blätter zu decken. Im Leitgewebe, also in speziellen Zellen im Holz, können dadurch Luftblasen entstehen. Eine solche Embolie unterbricht den Wassertransport und kann dazu führen, dass die Krone nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt wird.

Früher Laubfall

„Wenn eine Buche im Juli und August vorzeitig Blätter verliert, ist das kein harmloser Schutzmechanismus. Zu diesem Zeitpunkt ist das Wasserpotenzial im Stamm oft bereits sehr niedrig. Die Embolie hat den Stamm dann bereits erreicht“, erklärt Forstbezirksleiter Philipp Schweigler vom Kreisforstamt Rhein-Neckar-Kreis. „Der frühe Blattabfall zeigt, dass die Buche stark unter dem Trockenstress leidet. Für den betroffenen Baum steigt das Risiko von langfristigen Schäden an der Krone, von abgestorbenen Ästen und letztlich sogar vom Tod des ganzen Baumes.“
 
Durch den vorzeitigen Blattabfall verlieren die Buchen auch wichtige Nährstoffe. Normalerweise werden diese vor dem herbstlichen Laubfall in Stamm, Ästen und Wurzeln gespeichert. Wenn ein Baum seine Blätter aber schon im Sommer verliert, wird das verhindert. Dadurch stehen dem Baum im nächsten Frühjahr weniger Reserven für den Blattaustrieb, das Wachstum und die Schädlingsabwehr zur Verfügung. Wiederholen sich Hitze und Wassermangel im Folgejahr, steigen die Schäden. Auch wenn es im Herbst oder Winter ausreichend regnet, können die Bäume diese Schäden nicht ohne Weiteres ausgleichen.

Interview mit Förster Philipp Schweigler

In unserem Interview beantwortet Förster Philipp Schweigler Fragen zum Waldzustand.

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Warum kann die Eiche besser mit Hitze und Trockenheit umgehen?

Die Eiche ist im Vergleich zur Buche besser daran angepasst, mit Hitze und zeitweiser Trockenheit umzugehen. Ihre tiefen Wurzeln ermöglichen es ihr, Wasser aus tieferen Bodenschichten zu holen. Im Unterschied zur Buche kann die Eiche geschädigte Wasserleitbahnen im Stamm erneuern. Dennoch geraten auch Eichen bei langer Trockenheit an ihre Grenzen. Sie wachsen dann weniger, bilden weniger Laub und können geschwächt anfälliger für Krankheiten und Schädlinge werden.

Rheintal besonders betroffen

Im Rhein-Neckar-Kreis hängen die Auswirkungen von Trockenheit und Hitze stark vom Standort ab. Auf den sandigen Böden im Rheintal, an den stark sonnenexponierten Hängen an der Bergstraße sowie auf schweren, tonigen Böden im Kraichgau sind die Schäden besonders stark zu spüren. „Da bedingt durch den Klimawandel diese extremen Wetterperioden zunehmen, sind das voraussichtlich nur die Vorboten der Veränderung. Perspektivisch müssen wir mit massiven Schäden, insbesondere in unseren Buchenwäldern, im ganzen Kreisgebiet rechnen“, so Philipp Schweigler.

Vorsicht Astbruch!

Eine weitere Folgeerscheinung geschädigter Bäume kann der sogenannte Grünastbruch sein. Dabei brechen Äste ab, obwohl sie noch grüne Blätter haben. Trockenstress kann den Feuchtigkeitsgehalt und die Stabilität des Holzes verändern. Gleichzeitig können Äste durch abgestorbenes oder geschädigtes Gewebe ihre Belastbarkeit verlieren. „Ob und wann ein solcher Ast bricht, lässt sich nicht vorhersagen. Daher können in Hitzesommern auch scheinbar gesunde Bäume ein Risiko darstellen“, informiert Schweigler. Die Försterinnen und Förster des Kreisforstamtes kontrollieren die Wälder regelmäßig an öffentlichen Straßen und Parkplätzen und sichern offensichtliche Gefahren. Das Betreten des Waldes, auch entlang von Waldwegen, erfolgt jedoch grundsätzlich auf eigene Gefahr. Deshalb sollten Waldbesuchende vor allem bei starkem Wind oder starkem Regen den Wald möglichst meiden bzw. besonders achtsam und vorsichtig sein.

Widerstandskraft der Wälder stärken

Der Wald ist ein wichtiger Lebensraum und Erholungsort. Auch wenn der Zustand vieler Wälder Anlass zur Sorge gibt, arbeitet das Kreisforstamt daran, die Widerstandskraft zu stärken. Mit dem gezielten Umbau hin zu vielfältigen Mischbeständen und einer auf die jeweiligen Standorte abgestimmten Bewirtschaftung werden die Wälder so gut wie möglich auf die Herausforderungen des Klimawandels vorbereitet.

Veranstaltungstipp:

Am 25. September 2026 lädt das Kreisforstamt alle Interessierten zu einer Waldbegehung nach Waibstadt ein. Dabei geht es um Auswirkungen des Sommers 2026 auf den Wald. Mehr dazu: