Vom Parkplatz zum Resilienzprojekt

Außenansicht des Verlagsgebäudes; im Vordergrund leuchtet roter Klatschmohn, der Himmel ist blau.
Vorteil für die Finanzen und die Insektenwelt: Pflegeleichte Blühbeete vor dem Gebäude. Bild: nussbaum/mit

Miriam Tsolakidis ist Nachhaltigkeitsmanagerin bei der Nussbaum Medien Gruppe. Das Unternehmen hat das Außengelände seines Standorts in St. Leon-Rot klimaresilient und nachhaltig gestaltet. Im Interview erklärt sie, was es dafür braucht – und was es bringt.

Wenn man an einen Parkplatz denkt, ist „nachhaltig“ nicht unbedingt das erste Wort, das man damit verbindet. Warum haben Sie hier angesetzt?

Wir mussten den Parkplatz ohnehin angehen. Er hat nicht ordentlich entwässert, nach Regen stand hier regelmäßig das Wasser in Pfützen. Auch die darunterliegende Zisterne war nicht allzu groß. Und unsere Grünfläche wurde jedes Jahr neu bepflanzt, das war wenig effizient. Also wurde ein Gesamtkonzept für das gesamte Außengelände erstellt.

An welchen Stellschrauben konnten Sie hier überhaupt drehen?

Zum einen haben wir auf dem Parkplatz ein versickerungsfähiges Pflaster angelegt.

Wie genau geht das, braucht man dafür spezielle Steine?

Nein. Nussbaum hat sich für die Verlegemethode mit breiteren Fugen entschieden. Das gewährleistet, dass das Wasser ungehindert versickern kann. Da der Parkplatz wegen der Verlegearbeiten ohnehin „geöffnet“ werden musste, haben wir auch gleich unsere Regenwasserzisternen-Kapazität vergrößert. Wir leiten Regenwasser vom Schmetterlingsdach unseres Gebäudes dort hinein. Seit der Parkplatzsanierung können wir 195.000 Liter Regenwasser sammeln. Das Regenwasser wird für die Bewässerung der Außenanlage verwendet, wir brauchen also kein Frischwasser mehr, um sie über den Sommer fit zu halten.

War das bisher ein Thema?

Klar. Diese Außenanlage hatte schon Bestand und wurde bisher jedes Jahr neu bepflanzt. Allerdings waren diese Pflanzen zwar hübsch, aber nicht unbedingt immer als Nahrungsquelle für Insekten geeignet. Das haben wir geändert: Wir haben mehrjährige bienenfreundliche Stauden gepflanzt, dazu 14 neue Bäume, auch Obstbäume. Dabei haben wir besonders darauf geachtet, dass die Pflanzen zum einen heimisch, zum anderen auch klimaresilient sind: Storchenschnabel, Katzenminze, Ehrenpreis – die halten Trockenheit besser aus und sind gute Bienenweiden. So sind pflegeleichte Beete entstanden, die hübsch und insektenfreundlich sind. Insgesamt haben wir hier 2000 qm bepflanzte Fläche. Zusätzlich gibt es hinter dem Gebäude noch eine große Wiese, die wir naturnah gestaltet haben, da blüht auch einiges. Damit ist unser gesamtes Außengelände sowohl gegen Starkregen als auch gegen anhaltende Trockenphasen besser gewappnet – und mit beidem muss man ja künftig immer häufiger rechnen.

Gab es noch weitere Maßnahmen?

Im Zuge der Neugestaltung wurden auch die Parkbuchten verbreitert, um den Mitarbeitenden mehr Komfort zu bieten. Aber viel wichtiger: Gleichzeitig wurden die Ladekapazitäten für E-Fahrzeuge massiv ausgebaut. Auf dem vorderen Parkplatz stehen jetzt 13 Ladesäulen mit jeweils zwei 22 KW Ladepunkten installiert, sowie zwei Schnellladesäulen mit je zwei Ladepunkten à 50 kW. Hinter der Druckerei sind weitere 22 Parkplätze mit Lademöglichkeit ausgestattet. Außerdem wurde der Fahrradunterstand mit Lademöglichkeiten für E-Bikes ausgestattet.

Wer hat Ihnen geholfen, das Projekt umzusetzen?

Meine Kollegin hat das gemeinsam mit einem Architekten geplant, der schon einige unserer Standorte mit Fokus auf Nachhaltigkeit umgebaut hat. Außerdem hatten wir eine gute Garten- und Landschaftsgestaltungsfirma.

Und finanziell?

Unterstützung durch Fördermittel haben wir nicht in Anspruch genommen, unser Geschäftsführer und Inhaber hat einfach von selbst ein sehr großes Interesse und einen Antrieb dazu. Trotzdem lohnt sich das Projekt langfristig auch finanziell.

Wie das?

Der Hauptpunkt liegt im Pflegeaufwand: Da, wo bisher jedes Jahr komplett neu gepflanzt wurde, spart man jetzt Personal- und Materialkosten, weil die Pflanzen einfach stehenbleiben und sich im Idealfall ja auch noch selbst vermehren. Das Frischwasser, das wir durch die Zisterne einsparen, fällt derzeit noch nicht allzu sehr ins Gewicht. Trotzdem: Wenn man eine große Dachfläche hat, lohnt es sich, das Wasser nicht nur in die Kanalisation zu leiten, das wäre eine vergeudete Ressource. Und wenn Trockenphasen künftig zunehmen, wird das irgendwann vielleicht doch noch zum substanziellen Kostenfaktor. Und nicht zuletzt verbessert sich die Aufenthaltsqualität für Mitarbeitende: Wir haben auch eine Grillhütte im Außengelände; Man merkt, dass die Mitarbeitenden dort jetzt noch lieber sitzen als zuvor, auch mal eine Besprechung nach draußen verlegen. Ein attraktives Arbeitsumfeld stärkt natürlich auch die Bindung ans Unternehmen.

Was würden Sie anderen raten, worauf kommt es in einem solchen Projekt an?

Man braucht eine richtige Planung, innere Haltung und eine Freifläche – mehr eigentlich nicht.

Weitere Informationen

Kontakt

Dr. Anja Brandt
Stabstelle Wirtschaftsförderung
06221 522-2497
a.brandt@rhein-neckar-kreis.de

(Erstellt am 02. Juni 2026)