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Nachgefragt: Was machen E-Commerce-Kaufleute eigentlich genau?

Unterricht von E-Commerce-Kaufleuten in der Carl-Theodor-Schule in Schwetzingen 

Im Rahmen eines Interviews mit StR Maximilian Schwind von der Carl-Theodor-Schule in Schwetzingen stellen wir Ihnen den Ausbildungsberuf des/der E-Commerce-Kaufmann /-frau näher vor.

Seit August 2018 ist der/die Kaufmann /-frau im E-Commerce nun ein anerkannter Ausbildungsberuf. Was macht diesen Ausbildungsberuf aus und welche Besonderheiten bietet dieser Beruf für die Auszubildenden?

Schwind: Der Ausbildungsberuf Kaufmann /-frau im E-Commerce führt die Auszubildenden an die Anforderungen der modernen Arbeitswelt heran. Branchenübergreifend lernen Sie der Digitalisierung im Handel und den damit einhergehenden veränderten Erwartungen der Konsumenten gerecht zu werden. Im Fokus dieses Berufes steht die Kompetenz dem ständigen Wandel der Vertriebskanäle und -strukturen im E-Commerce gewachsen zu sein. Hierfür ist es notwendig, projektorientiert zu denken und zu arbeiten, und damit projektorientierte Arbeitsprozesse, die ein wesentliches Merkmal des E-Commerce sind, zu steuern und zu gestalten. Dabei ist insbesondere Fachwis-sen an den externen und internen Schnittstellen gefragt – zum Beispiel, wenn es um die Kommunikation mit externen Onlinemarketing-Agenturen oder den Programmierern der Webpräsenz geht.

Findet nun der gesamte Lern- bzw. Ausbildungsprozess für die Auszubildenden nur noch am Laptop, PC oder Tablet statt?

Schwind: Um den Anforderungen des Berufsbildes genügen zu können, findet ein Großteil des Unterrichts im berufsfachlichen Bereich in Computerräumen statt. Neben den notwendigen Kenntnissen einen Webshop benutzerfreundlich und rechtssicher aufsetzen und betreuen zu können, werden den Auszubildenden hierbei auch grundlegende Kompetenzen in Auszeichnungs- und Programmiersprachen vermittelt, um bei Bedarf notwendige Änderungen im Quellcode der Webpräsenz identifizieren und mit dem jeweiligen Programmierer in Fachsprache thematisieren zu können.

Die Ausbildung ergänzenden allgemeinbildenden Fächer Deutsch, Gemeinschaftskunde, Englisch und Religion werden im normalen Klassenzimmer unterrichtet.
Ausgehend von den positiven Erfahrungen mit dem Einsatz von Tablets in Klassen des Wirtschaftsgymnasiums an der Carl-Theodor-Schule ist für das Schuljahr 2019/2020 geplant, die Schülerinnen und Schüler der E-Commerce-Klassen ebenfalls mit Tablets auszustatten. Ziel ist es, hierdurch das lernförderliche Potenzial digitaler Medien zu nutzen. Sie bieten unter anderem die Möglichkeit das Lernen stärker zu individualisieren und damit der zunehmenden Heterogenität der Auszubildenden besser gerecht zu werden. Außerdem lässt sich die begrenzte Lernzeit noch effizienter nutzen und, den Anforderungen der veränderten Arbeitswelt entsprechend, mit einem hohen Grad an Aktualität vermehrt eigenverantwortlich planen und gestalten. 

Wie kommt dieser Ausbildungsberuf bei der Wirtschaft an und welche Vorteile bietet er für die Unternehmen in Schwetzingen und Umgebung?

Schwind: Entgegen der Erwartungen ist der Ausbildungsberuf Kaufmann/ -frau im E-Commerce bereits im ersten Jahr sehr gut angenommen worden. Insbesondere Betriebe, die bereits im E-Commerce etabliert sind, stellen derzeit die Mehrheit der Auszubildenden.

Im landesweiten Vergleich nehmen die Unternehmen in Schwetzingen und Umgebung zudem eine Vorreiterrolle ein, was sich darin widerspiegelt, dass die Carl-Theodor-Schule der zweitgrößte Beschulungsstandort in Baden-Württemberg ist. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Unternehmen in diesem Beruf ausbilden und über ihre Auszubildenden und potentiellen späteren Mitarbeiter das Knowhow für den Aufbau oder die Optimierung von Vertriebskanälen und -strukturen im E-Commerce erhalten, ohne sich dabei in ein Abhängigkeitsverhältnis zu externen Dienstleistern zu begeben.

Und haben Sie einen ersten Einblick auf die Bewerberzahlen bei den Unternehmen?

Schwind: Einige Ausbildungsbetriebe haben zurückgemeldet, dass die Bewerberzahlen aufgrund der mangelnden Bekanntheit des neuen Ausbildungsberufs derzeit noch vergleichsweise gering ausfallen. Vermutlich wird mit steigender Bekanntheit des neuen Ausbildungsberufs auch die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen noch steigen. Das Interesse von Absolventen/ -innen unserer Schule, also aus dem Wirtschaftsgymnasium und dem Berufskolleg, am neuen Ausbildungsberuf ist erkennbar.

Welche Berufs- und Aufstiegschancen ergeben sich für Kaufleute im E-Commerce nach der Ausbildung?

Schwind: Kaufleute im E-Commerce sind nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung vielseitig einsetzbar, beispielsweise bei der Auswahl effizienter Vertriebskanäle im E-Commerce, der Gestaltung und Bewirtschaftung des Waren- und Dienstleistungssortiments nach den Bedürfnissen des Onlinehandels, der rechtssicheren und benutzerfreundlichen Vertragsanbahnung und -abwicklung im Online-Vertrieb sowie der Entwicklung und Umsetzung des Onlinemarketings. Insbesondere im Bereich des Onlinemarketings ergeben sich für die Auszubildenden sehr gute Aufstiegschancen, da zahlreiche Unternehmen händeringend Experten im Bereich des Search-Engine-Optimizing, Search-Engine-Advertising und Social-Media-Advertising suchen.

Was denken Sie Herr Schwind, löst der Onlinehandel den stationären Handel in 5, 10 oder 50 Jahren komplett ab?

Schwind: Meiner Meinung nach wird der stationäre Handel auch in der Zukunft noch von Bedeutung sein. Beides stationärer Handel und E-Commerce haben ihre Berechtigung, werden aber immer mehr miteinander verschmelzen, um Synergieeffekte nutzen zu können. Erste Tendenzen hierzu sind bereits zu beobachten. So drängen einerseits ehemals reine Onlinehändler wie etwa Zalando oder Notebooksbilliger.de mit eigenen Stores in die Innenstädte, um beispielweise Retouren oder Einzelstücke effizienter verkaufen zu können. Andererseits versuchen auch immer mehr stationäre Händler die zusätzlichen Absatzpotenziale des Vertriebskanals E-Commerce für sich zu nutzen.


Weitere Informationen
Bildungsangebot Kaufmann /-frau im E-Commerce auf der Carl-Theodor-Schule, Schwetzingen


Kontakt
Patrick Schütz
Stabsstelle Wirtschaftsförderung
06221 522-1321
patrick.schuetz@rhein-neckar-kreis.de

Maximilian Schwind, StR
Carl-Theodor-Schule Schwetzingen
06202 946-200
schwind@carl-theodor-schule.de

(Erstellt am 04. Juli 2019)