Freiheitsentziehende Maßnahmen und Möglichkeiten zur Vermeidung

Viele kennen die Situation von ihren zu Betreuenden Eltern, Kindern, Bekannten u.a. Sie rufen die Nacht hindurch nach Hilfe, stehen auf und fallen zu Boden, sie bewegen sich stetig bei der Essensaufnahme, so dass der größte Teil des Essens zu Boden fällt; sie sind nachts aktiv und wandern durch die Gänge.

Vorschnell erfolgen unterbringungsähnliche und freiheitsentziehende Maßnahmen wie körperliche Fixierungen oder sedierende Medikamente. Für deren Anwendung benötigen Sie als Betreuer oder Vorsorgevollmachtnehmer eine betreuungsgerichtliche Genehmigung.

„Durch die freiheitsentziehenden Maßnahmen wird der Betroffene gegen seinen Willen an Ort und Stelle gehalten. Er verliert durch die Maßnahmen nach und nach seine Bewegungsfähigkeit, seine Muskelkraft und seine Orientierungsfähigkeit. Er kann sich durch die Gurte, Bettgitter oder Klemmbretter verletzen.

Zudem können große Ängste, Stress, Gegenwehr oder auch vollständige Resignation ausgelöst werden. Durch den Verlust seiner Beweglichkeit, Muskelkraft und Orientierung ist der betroffene Mensch vermehrt sturzgefährdet. Auch bei vorübergehendem Einsatz entsprechender Maßnahmen wird selten wieder die Bewegungsfähigkeit erreicht, die vor der freiheitsentziehenden Maßnahme vorhanden war.“ (Aus "es geht auch anders" des Sozialministeriums Rheinland-Pfalz)

§ 1906 BGB lautet: „Es bedarf der Genehmigung des Betreuungsgerichts wenn einem anderen durch mechanische Vorrichtungen, Medikamente oder auf andere Weise über einen längeren Zeitraum oder regelmäßig die Freiheit entzogen werden soll.“ Dies gilt jedoch nur für Heime, Kliniken oder sonstige Einrichtungen.

Bevor der Antrag auf freiheitsbeschränkende Maßnahmen gestellt wird, sollte immer geprüft werden, ob die Einschränkung der Freiheit notwendig ist oder ob es mildere Mittel gibt. Auch in ihren privaten Räumlichkeiten sollten Sie sich die Frage stellen, ob die Freiheitsentziehung notwendig ist oder ob es mildere Mittel gibt.

Bitte fragen Sie bezüglich der milderen Mittel wie Niederflurbett, Trittschallmatten, Matratzen usw. bei den Fachkräften der Einrichtungen nach. Nähere Informationen zu dem Thema finden Sie auch unter den folgenden Links oder sie nehmen Kontakt mit der Betreuungsbehörde auf.