Mobipakt Walldorf-Wiesloch: Aktueller Stand

Stark befahrene 6-spurige Straßenkreuzung
Die Region um Walldorf und Wiesloch ist ein starker Wirtschaftsraum. Entsprechend hoch belastet ist die Region allerdings auch durch den Verkehr.

Die Projektpartner des Mobilitätspakts Walldorf/Wiesloch haben am 21. Juli 2021, im Rahmen einer digitalen Veranstaltung interessierte Verbände über den aktuellen Stand, insbesondere Ziele und Einzelmaßnahmen, des Mobilitätspakts informiert.

Teilnehmende waren Vertreter des ADFC und VCD. Ein Großteil der Maßnahmen im Mobilitätspakt betrifft die umweltfreundlichen Verkehrsarten. Zukünftig soll im Rahmen des Mobilitätspakts Walldorf/Wiesloch ein regelmäßiger Austausch mit den Verbänden stattfinden.

Nach einer positiven Halbzeitbilanz im Januar dieses Jahres wurde und wird die Planung und Umsetzung der Maßnahmen des Mobilitätspakts weiter vorangetrieben.

Radverkehr

Im Bereich des Radverkehrs wurden von den beiden Städten Walldorf und Wiesloch Radverkehrskonzepte beauftragt, im Rahmen derer zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs innerhalb der Städte entwickelt werden sollen. Die Konzepte werden auch die Hinweise aus der Öffentlichkeitsbeteiligung aus dem Jahr 2019 im Zuge des Mobilitätspakts aufgreifen und Standorte für Abstellanlagen beinhalten. Voraussichtlich ab diesem Sommer kann sich dann die Öffentlichkeit im Rahmen unterschiedlicher Formate an den zu entwickelnden Konzepten beteiligen. Die Termine werden seitens der Kommunen rechtzeitig bekanntgegeben. Eine Umsetzung erster Maßnahmen ist ab Anfang 2022 geplant. Das Radverkehrskonzept der Stadt Wiesloch wird über den Fördertopf für qualifizierte Fachkonzepte vom Land Baden-Württemberg mitfinanziert.

Am 20. Juli 2021 wurde zudem das Mobilitätskonzept Radverkehr des Rhein-Neckar-Kreises vom Kreistag beschlossen, das zahlreiche Radverkehrsmaßnahmen rund um und im Wirtschaftsraum umfasst. In einem nächsten Schritt wird es Abstimmungen zwischen dem Rhein-Neckar-Kreis und den zuständigen Baulastträgern geben, um die Umsetzung der Maßnahmen voranzutreiben.

Im Zuge der oben genannten Konzepte sollen in den kommenden Jahren zahlreiche neue Radverkehrsmaßnahmen von den jeweiligen zuständigen Projektpartnern umgesetzt und so der Radverkehr weiter gefördert werden.

Auch bei den im Bereich des Wirtschaftsraums vorgesehenen Radschnellwegen geht es voran. Aktuell ist für die geplante Radschnellverbindung Mannheim-Schwetzingen-Walldorf/Wiesloch eine Machbarkeitsstudie im Auftrag des VRRN in Arbeit. Erste Ergebnisse hinsichtlich möglicher Trassenkorridore werden im Herbst 2021 erwartet. Zu diesem Zeitpunkt ist auch eine Online-Bürgerbeteiligung geplant.

Beim Projekt Radschnellweg Heidelberg – Walldorf/Wiesloch (– Bruchsal) können nach Fertigstellung der Machbarkeitsstudie im letzten Jahr und einer ergänzenden Potentialanalyse, die nächsten Schritte gegangen werden. Derzeit plausibilisiert der Rhein-Neckar-Kreis die Machbarkeitsstudie hinsichtlich der beschrieben Umsetzungsmaßnahmen und -kosten zur Vorbereitung der weiteren politischen Beratungen.

Fußverkehr

Im Rahmen des Mobilitätspakts wird ebenso das wichtige Thema Fußverkehr weiter vorangetrieben. In den Städten Walldorf und Wiesloch wurden im Sinne einer Daueraufgabe bereits zahlreiche Einzelmaßnahmen zur Verbesserung des Fußverkehrs umgesetzt, auch unter Berücksichtigung der Bürgerhinweise aus der Beteiligung im Rahmen des Mobilitätspakts 2019. Zudem hat die Stadt Walldorf im Juni 2021 vom Ministerium für Verkehr den Zuschlag für die Durchführung eines professionellen Fußverkehrschecks bekommen. Dabei bewerten Bürgerinnen und Bürger, Politik und Verwaltung gemeinsam die Situation des Fußverkehrs vor Ort. In Workshops und Begehungen werden Vorschläge erarbeitet, wie die Wege zu Fuß künftig noch attraktiver und sicherer gestaltet werden können. Die Stadt Wiesloch hat bereits 2017 einen solchen Fußverkehrscheck durchgeführt. Zudem planen beide Städte eine Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft für fahrrad- und fußgängerfreundliche Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW), um den Fuß- und Radverkehr noch systematischer fördern zu können. 

ÖPNV

Aktuell werden im Auftrag des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN) an verschiedenen Bushaltestellen im Stadtgebiet Walldorf, unter anderem Bahnhof Westseite, Drehscheibe, Rathaus, SAP Headquarters, SAP Campus, SAP Schulungszentrum, dynamische Fahrgastinformationsanzeiger (DFI) installiert, um den Fahrgästen aktuelle Informationen zum Betriebsablauf geben zu können. Eine Finanzierung der Anlagen erfolgt über das Förderprogramm Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme des Bundes.

Ab 1. Januar 2022 soll es möglich sein, im Stadtgebiet Walldorf kostenfrei Bus zu fahren. Mit der positiven Beschlussfassung des Gemeinderates der Stadt Walldorf am 13. Juli 2021 kann das Vorhaben nun weiterverfolgt und die noch ausstehenden Detailfragen zur konkreten Umsetzung geklärt werden.

Vorbehaltlich der endgültigen Abstimmung mit dem Land als Fördermittelgeber wird der Rhein-Neckar-Kreis zudem ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021, zu den beiden im Kreisgebiet bereits eingerichteten Regiobuslinien, zwei weitere Regiobuslinien von Wiesloch/Walldorf (Bahnhof) über das SAP-Gelände nach Speyer beziehungsweise nach Schwetzingen beauftragen.

Im Bereich des Schienenpersonennahverkehrs konnte durch das finanzielle Engagement des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg erreicht werden, dass zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 weitere S-Bahnen der Linie S3 um einen dritten Triebwagen verstärkt werden konnten. So wird in den Hauptverkehrszeiten auf der Strecke Karlsruhe – Heidelberg – Mannheim und in der Gegenrichtung das Platzangebot bei insgesamt sechs S-Bahn-Verbindungen die Platzkapazität von 400 auf 600 Sitzplätze erhöht. Das im Dezember 2020 eingeführte schnelle Regionalbahnangebot mit einzelnen Zügen in der Hauptverkehrszeit von Heidelberg über Wiesloch-Walldorf nach Karlsruhe und zurück wird aufgrund der guten Nachfrage beibehalten.

Betriebliches Mobilitätsmanagement

Auch im Rahmen des Betrieblichen Mobilitätsmanagements sind verschiedene Maßnahmen in Bearbeitung und teilweise schon in der Umsetzung. Dazu zählen Verbesserungen für den Radverkehr, wie beispielsweise der Ausbau von Fahrradabstellplätzen und die Erhöhung von Spindkapazitäten. Weiter fördern die Unternehmen sowohl den Ausbau von E-Mobilität für PKW als auch für E-Bikes. Bei SAP wurde im April 2021 zudem ein Pilotprojekt zur Reduzierung der Autonutzung zugunsten alternativer Verkehrsträger mittels eines Mobilitätsbudgets für Mitarbeiter gestartet. Über den unternehmensweiten Aufruf „Pledge to Flex“ wird die weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit, des Standorts und der Arbeitsflächen vorangetrieben. MLP wurde in 2020 vom ADFC als fahrradfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert. Außerdem wurde im ersten Quartal 2021 ein Fahrradleasing eingeführt. Die Weiterentwicklung des betrieblichen Mobilitätsmanagements ist hier Teil eines umfangreichen Nachhaltigkeitsmanagements mit dem Ziel der konzernweiten Klimaneutralität bis 2022.

Straßenbau

Im Rahmen des Mobilitätspakts sind Straßenbaumaßnahmen auch weiterhin Teil einer vernetzten und verkehrsträgerübergreifenden Betrachtung. Eventuelle Straßenneubaumaßnahmen des Landes mit Planungsbeginn ab 2025 werden gemäß des neuen Koalitionsvertrags jedoch einen sogenannten Klimacheck durchlaufen.

Weitere Informationen zum Mobilitätspakt:

Am 25. Oktober 2018 wurde unter Leitung des Ministeriums für Verkehr der Mobilitätspakt Walldorf/Wiesloch unterzeichnet. Projektpartner sind die Städte Wiesloch und Walldorf, der Rhein-Neckar-Kreis, der Verband Region Rhein-Neckar, die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW), die Verkehrsbetriebe, die IHK Rhein-Neckar und die ansässigen Firmen SAP, MLP und Heidelberger Druckmaschinen sowie das Regierungspräsidium Karlsruhe, das die Koordination des Pakts übernimmt.

Beim Mobilitätspakt erarbeiten Akteure aus unterschiedlichen Bereichen gemeinsam Lösungen zur Verbesserung der verkehrlichen Situation im Wirtschaftsraum und setzen diese auch um. Im Vordergrund steht die Stärkung des Umweltverbundes, das heißt umweltfreundlicher Verkehrsarten wie Radverkehr, Fußverkehr und Öffentlicher Personennahverkehr. Wesentlich ist dabei die Betrachtung und Vernetzung aller Verkehrsarten (Öffentlicher Personennahverkehr, Straßenverkehr sowie Fuß- und Radverkehr). Einen großen Stellenwert nimmt auch das betriebliche Mobilitätsmanagement ein, da der Berufs- und Logistikverkehr einen maßgeblichen Einfluss auf die Verkehrssituation hat.

Im Rahmen des Mobilitätspakts wurden von den Projektpartnern und durch Anregungen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung insgesamt rund 100 Maßnahmen definiert und sukzessive umgesetzt.

Weitere Informationen rund um den Mobilitätspakt Walldorf-Wiesloch und aktuelle Projektentwicklungen sind hier abrufbar:

www.Mobipakt-wa-wi.de