Mehr Unterstützung für Kinder psychisch- und suchtbelasteter Eltern

Kind lehnt am Fenster, im Vordergrund ist ein Stoffbär zu sehen.
(Symbolbild: Nichizhenova Elena / stock.adobe.com)

Kinder psychisch- und suchtbelasteter Eltern werden künftig noch besser unterstützt – das hat der Ausschuss für Soziales des Kreistags in seiner Sitzung am 14. November einstimmig beschlossen.

Um diesen Kindern im Rhein-Neckar-Kreis unmittelbare Hilfe zukommen zu lassen und gleichzeitig dem Entstehen psychischer und Suchtbelastungen entgegenzuwirken, sollen in jedem der fünf Planungsräume im Landkreis präventive Angebote für die Kinder zur Verfügung gestellt werden. Sie sollen verlässliche Unterstützung durch (heil-)pädagogische Fachkräfte erfahren und durch spezielle Präventionsprogramme Kompetenzen erlernen, die ihnen helfen, ihre Bedürfnisse durchzusetzen und mit ihrer schwierigen Situation umzugehen. Um das Angebot für die Kinder zur Verfügung stellen zu können, sieht die nun verabschiedete Rahmenkonzeption vor, dass sich die Einrichtungen der Erziehungsberatungsstellen, der Suchtberatungsstellen und der Sozialpsychiatrischen Dienste zusammenschließen.

Kinder haben erhöhtes Risiko, selbst eine psychische Erkrankung zu entwickeln

Wenn Eltern an einer psychischen Erkrankung oder Suchterkrankung leiden, belastet dies nicht nur die Eltern, sondern auch deren Kinder. Die Belastungen in Familien aufgrund einer elterlichen psychischen Erkrankung oder Suchterkrankung können vielfältig sein: Neben unmittelbaren, krankheitsbedingten Belastungen, wie Beeinträchtigungen in der Kinderbetreuung und im Erziehungsverhalten, kommen häufig weitere Faktoren hinzu, wie Konflikte der Eltern oder geringe Unterstützung im sozialen Umfeld. Eine große psychische Belastung für die Kinder ist die Übernahme der elterlichen Verantwortung. Die Kinder psychisch- und suchtbelasteter Eltern haben daher ein vielfach erhöhtes Risiko, selbst eine psychische Erkrankung zu entwickeln – etwa ein Drittel der Kinder aus diesen Familien erkrankt im Laufe des Lebens.

Fokus stärker auf Prävention

Daher soll der Fokus künftig noch stärker auf frühere Beratung und Prävention gelegt werden. Die Angebote richten sich an Familien aus dem Rhein-Neckar-Kreis mit mindestens einem psychisch- oder suchtbelasteten Elternteil. Sie richten sich vorrangig an die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Eltern werden im Rahmen einer begleitenden Elternarbeit miteinbezogen. Die Teilnahme an den Angeboten ist freiwillig und für die Familien kostenfrei. Familien können sich selbst an eine Erziehungsberatungsstelle, Suchtberatungsstelle oder einen Sozialpsychiatrischen Dienst wenden und ihr Kind anmelden.

Spezielle Angebote schaffen

Sowohl das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI), das Psychiatrische Zentrum Nordbaden (PZN) als auch weitere Fachdienste (z.B. Allgemeiner Sozialer Dienst, Sozialpädagogische Familienhilfen etc.) die in Kontakt mit belasteten Familien stehen, werden über die Angebote informiert und können Familien hinsichtlich der Teilnahme beraten. Eine Information bezüglich der Kurse bzw. Angebote soll außerdem demnächst über sämtliche Kindertageseinrichtungen, Schulen aller Schularten sowie die Träger der Jugendarbeit im Rhein-Neckar-Kreis erfolgen, erklärte die Kommunale Suchtbeauftragte Christine Köhl auf Nachfrage in der Ausschusssitzung. Weiterhin soll über die Bürgermeisterämter der Kommunen des Rhein-Neckar-Kreises informiert werden.

Bei der Abstimmung gab es letztlich ein einstimmiges Votum für den Vorschlag von Landrat Stefan Dallinger, vorbehaltlich der Beratungen zum Haushalt für das Jahr 2024 die Bereitstellung der in der Rahmenkonzeption genannten Mittel (50.000 Euro) zu beschließen, um spezielle Angebote für Kinder psychisch- und suchtbelasteter Eltern zu schaffen.