Wichtiger Hinweis!

Persönliche Vorsprachen sind nur in dringenden, unaufschiebbaren Angelegenheiten nach vorheriger Terminvereinbarung möglich ! 

„Man kann immer noch was optimieren“

Foto des Firmeninhabers und anderer Akteure mit Lastenfahrrad
Beeindruckt zeigten sich die Landtagsabgeordneten Hermino Katzenstein (2.v.l.) und Dr. Albrecht Schütte (2.v.r.) bei einem Besuch der B&S Service GmbH vom Umweltengagement des Geschäftsführers Konrad Weiß (m.).

Wie werden wir energieeffizienter? Diese Frage stellt sich das die B&S Service GmbH regelmäßig - und kommt zu interessanten Ergebnissen.

Der Sicherheitsdienstleister aus Sinsheim-Waldangelloch hat vor allem in seinem Neubau auf Nachhaltigkeit gesetzt: Mit einer eigenen Biomasse-Heizung, einer Photovoltaik-Anlage, E-Autos sowie der Nutzung der Abfallkälte zur Kühlung konnte das Unternehmen jährlich 60.000 Kilowattstunden an Energie einsparen – und 29 Tonnen CO2. Welche Potenziale er in Sachen Nachhaltigkeit noch sieht, berichtet Geschäftsführer Konrad Weiß im Interview.
 
Aus welcher Motivation heraus engagieren Sie sich im Bereich Nachhaltigkeit?
 Ich denke grün und auch kaufmännisch. Wenn es sich kaufmännisch nicht rechnet, mache ich so etwas auch nicht.
 
Was ist so besonders an Ihrem Energiekonzept?
Wir versorgen uns zu 90 Prozent selbst. Auf den Dächern an unserem zweiten Standort sehen Sie ein Windrad und eine Photovoltaik-Anlage – und zwei Ladesäulen für unsere zwei Elektrofahrzeuge. Außerdem haben wir noch einen 38 kW-Speicher drin, der eine unterbrechungsfreie Stromversorgung garantiert. Wenn wir in Wartung sind, kaufe ich auch mal Strom von außen zu. Oder wenn schlechtes Wetter ist. Aber dadurch, dass wir auch gut speichern können, ist das wirklich selten nötig. Die Anlage haben wir privat aufgebaut und jetzt verkaufen wir den Strom, den wir erzeugen, der Firma. Nach sieben Jahren hat sich das rentiert. Wir brauchen auch keine Kühlanlage oder Klimaanlage für unsere Räume, weil wir mit Lüftung und Beschattung arbeiten. Unsere Server laufen durch eine Trinkwasser-Wärmepumpe konstant auf 22 Grad: Die Abfallkälte nutzen wir zur Kühlung der Server – und haben dafür Warmwasser. Im Sommer geht die Heizung aus und wird je nach Witterung erst im Oktober oder November wieder hochgefahren.
 
Und wie funktioniert die? 
Wir haben hier eine Hackschnitzelheizung kombiniert mit Miscanthusgras. Im Nebenerwerb haben wir noch eine Landwirtschaft, da haben wir brachliegende Äcker, die wir für Nahrungsmittelanbau derzeit nicht nutzen können, weil sie überdüngt sind. Jetzt bauen wir zehn Jahre lang dieses Gras an, dann ist der Boden wieder in Ordnung. Das Miscanthus erinnert an Schilf. Einmal im Jahr wird es geerntet und gehäckselt. Es muss nicht einmal getrocknet werden, es ist schon trocken. Ergänzt wird das dann mit Hackschnitzeln. Wir haben viele Waldränder und Sträucher; auch hier wird einmal im Jahr gehäckselt, dann offen getrocknet und in die Heizanlage gegeben. Wir müssen nichts dazukaufen.
 
Wer hat Sie bei der Entwicklung und Umsetzung des Konzeptes unterstützt?
Das Konzept haben wir selbst entwickelt, aber so etwas entsteht natürlich nicht im Vakuum. Wir sind in verschiedenen Clustern beteiligt, ich bin auch Beiratsmitglied beim Umweltkompetenzzentrum Rhein-Neckar – da holt man sich schon einige Informationen. Aber man muss sich eben auch selbst für das Thema interessieren, und das habe ich schon immer getan. Zum Beispiel haben wir schon 2010 alle Hallen auf LED-Beleuchtung umgestellt. Wenn ich irgendwo auf eine Idee stoße, rechne ich mir das durch – und wenn es sich rentiert, wird es gemacht.
 
Entwickeln Sie das Konzept noch weiter?
Ständig. Wir beteiligen uns am IHK-Programm „Energie-Scouts“ sowie auch an dem KEFF-Projekt der IHK, bei dem jedes Jahr die Azubis draufschauen, wo wir noch etwas sparen können. Dabei ist auch unser nächstes Projekt entstanden: Wir wollen einige Äcker jetzt auch mit Baumreihen von schnell wachsenden Hölzern wie Pappeln oder Weiden bepflanzen – zum einen wegen CO2, zum anderen für die Beschattung: Wenn wir in ein paar Jahren wieder Getreide anbauen können, werden die Trockenschäden nicht so stark. Man kann immer noch was optimieren. Auch in Sachen Mobilität war für uns bei den E-Autos nicht Schluss, sondern wir haben unseren Fuhrpark noch erweitert – durch Lastenfahrräder, mit denen wir kurze Strecken fahren.
 
Hat Ihr Engagement auch Einfluss auf Ihre Geschäftspartner oder Kunden?
Da fragen Sie mich was. Wir haben zwischen 18.000 und 20.000 Kunden europaweit. Von denen hat, so weit ich weiß, noch keiner nachgefragt. Oft heißt es ja, Kunden schauen auch darauf, ob jemand nachhaltig arbeitet. Das ist leider nicht so. Was günstig ist, wird gekauft. Eigentlich traurig. Für mich ist natürlich trotzdem interessant, dass ich auf diese Weise meine VK-Preise halten kann.
 
...und auf Ihre Mitarbeiter?
Da kommt es sehr gut an. Vor allem die Lastenfahrräder haben zuletzt sogar die Motivation gesteigert. Bei einer Dienstfahrt oder auf dem Weg von einem Standort zum anderen kommen sie jetzt richtig raus, bewegen sich zwischendurch mal an der frischen Luft. Die meisten machen das lieber als Auto fahren. Ich würd’s wieder machen, jederzeit.
 

Weitere Informationen
Homepage UKOM

Kontakt
Dr. Anja Brandt
Stabsstelle Wirtschaftsförderung
06221 522-2167
a.brandt@rhein-neckar-kreis.de

(Erstellt am 18. Februar 2021)