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„Lieber tu ich etwas, was skeptisch beäugt wird, als gar nichts“

Frank Westermann (l.) und Volker Thorn (r.), die Geschäftsführer der Packmann GmbH, sind stolz auf ihre klimapositive Verpackungslinie.

Klimapositive Verpackungen – was ist das und was soll das? Volker Thorn, Geschäftsführer der Eppelheimer Packmann GmbH, erklärt es.

Wiesen mähen statt Wälder abholzen: Innovative Verpackungen aus Graspapier und -karton treten mit dem Versprechen eines guten Gewissens in Sachen Umwelt zunehmend selbstbewusst auf. Die Eppelheimer Packmann GmbH hat nun noch einmal einen besonderen Coup gelandet: Sie hat eine Verpackungsserie auf den Markt gebracht, die mit dem Label „klimapositiv“ ausgezeichnet wurde.

Welchen Beweggrund hatten sie, eine umweltfreundliche Verpackung zu entwickeln?
Beim Thema „Umwelt“ sollte jeder bei sich anfangen und sich fragen: was kann ich tun, um die Situation zu verbessern? Da waren für uns Verpackungen natürlich naheliegend. Verpackungen unter Einsatz von schnell nachwachsenden Rohstoffen, in Verbindung mit den benötigten Eigenschaften in Bezug auf Stabilität, guter Bedruckbarkeit sowie voller Recyclingfähigkeit zu finden, war das Ziel.
 
Was ist das Besondere an dieser Verpackung?
Wir wollten den Umweltgedanken nicht nur berücksichtigen, sondern in den Vordergrund stellen. Wir haben uns Gedanken gemacht: Was können wir wie verbessern? Diese Verbesserungen werden auch nicht aufhören. Wir werden die Produkt-Serie weiter optimieren, verfeinern und erweitern. Daher auch der Schritt von „klimaneutral“ hin zu „klimapositiv“. Wir sind die erste klimapositive Verpackungsserie überhaupt!
 
Was bedeutet „klimapositiv“?
Der Vorteil des Labels „klimapositiv“ ist, dass wir den entstandenen CO2-Ausstoß nicht nur neutralisieren, also gewissermaßen auf null setzen, sondern durch zusätzliche Maßnahmen nochmals genauso viel CO2 binden. Bei uns geschieht das unter anderem durch Projekte für Brunnenbau und Baumpflanzung in Togo, um die Natur dort zu erneuern und erhalten. So geben wir der Natur doppelt so viel zurück, wie wir von ihr genommen haben. Nur so lässt sich dem Klimawandel entgegenwirken.
 
Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung?
Die Loslösung vom reinen Mittel zum Zweck hin zu einer Ideologie war die größte Herausforderung. Das Verständnis zu wecken bei den Kollegen, sowie natürlich auch bei den Verbrauchern, den Sinn und den Mehrwert der umweltfreundlicheren Verpackungsserie zu verstehen.
 
Und wie haben Sie sie bewältigt?
Intern vor allem durch Gespräche, Aufklärung, Argumentation. Auch die Mitarbeiterin, die verantwortlich für die Zertifizierung war, war eine gute Multiplikatorin im Betrieb. Außerdem waren wir – solange das noch ging – auf Messen unterwegs, haben Kunden angeschrieben und einen eigenen Internetauftritt für die Produktlinie aufgebaut. Inzwischen sind unsere vielen Vertriebspartner eben auch Multiplikatoren.
 
Klingt aufwendig…
War es auch – aber wir haben mit natureOffice einen guten Partner gefunden, der uns unterstützt hat und den Weg auch noch mit uns weitergehen wird. Diese Klimaschutzagentur hat nicht nur die von uns angeregte Steigerung des Labels auf „klimapositiv“ unkompliziert umgesetzt, sondern uns auch mit guten Argumenten bestärkt. Zunächst herrscht oft Skepsis; das Zertifizierungsmodell klingt für viele erst mal nach Ablasshandel. Aber es wird ja tatsächlich etwas umgesetzt. Und auch wenn es in Deutschland kaum zertifizierte Kompensationstätigkeiten gibt, sondern die meisten weit entfernt stattfinden: Das Klima ist ja global! Und lieber tu ich erst mal etwas, was skeptisch beäugt wird, als gar nichts. Der Erfolg bestätigt unseren Weg.

Welche Auswirkungen hat die Zertifizierung der Verpackung als „klimapositiv“ auf Ihre Kunden?
Die Zertifizierung ist sicherlich ein zusätzliches Argument für uns. Dieser Mehrwert wird von unseren Kunden geschätzt und zeigt die Ernsthaftigkeit, die hinter den Produkten steckt. Momentan ist die Graskarton-Reihe noch ein Nischenprodukt. Aber die Nachfrage wächst stetig, die Kunden kommen aus allen Bereichen, von Automobilzulieferern über Lebensmittel bis hin zu Spritzgussherstellern und Onlineversendern.
 
…und auf Ihre Mitarbeiter?
Wir haben schon 2009 mit der Einführung des Umweltmanagementsystems nach DIN EN ISO 14001 den Grundstein für dieses gesteigerte Umweltbewusstsein gesetzt. Auch auf Wunsch und mit Unterstützung aller Mitarbeiter. Die FSC-Zertifizierung für Produkte aus nachhaltigerer Waldwirtschaft und dann eben die neue Produktserie waren weitere wichtige Schritte. Alle diese Dinge werden vom Kollegium getragen und proaktiv angegangen.
 
Welche Standortvorteile sehen Sie im Rhein-Neckar-Kreis und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Die Infrastruktur des Rhein-Neckar-Kreises und der Metropolregion Rhein-Neckar, in Verbindung mit der wirtschaftlichen Breite, sowie die Flexibilität der hier lebenden Menschen sehe ich als großen Vorteil. Kurze Wege in der Zusammenarbeit bringen uns ans Ziel. Diese Vorteile sollten untereinander wesentlich mehr genutzt werden. Daher wäre ein Tool oder eine Plattform zur Suche und Auswahl regionaler Unternehmen und deren Leistungsspektrum wünschenswert.

Weitere Informationen
Homepage natureOffice
Homepage Packmann GmbH

Kontakt
Dr. Anja Brandt
Stabsstelle Wirtschaftsförderung
06221 522-2497
anja.brandt@rhein-neckar-kreis.de

(Erstellt am 14. Dezember 2020)