Trinkwasser in Dossenheim und Heidelberg: Keine Gefahr für die Bevölkerung

Aus einem Wasserhahn sprudelt Wasser
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Am Donnerstag, 7. Februar, wurde eine leicht bläuliche Färbung des Trinkwassers in der Gemeinde Dossenheim festgestellt.

Nach ersten Untersuchungen war hiervon das Wasserwerk Entensee betroffen. Dieses beliefert die Gemeinde Dossenheim sowie die Heidelberger Stadtteile Neuenheim und Handschuhsheim mit Trinkwasser. Da ein Eindringen des Wassers aus dem Werk Entensee in andere Stadtteile nicht ausgeschlossen werden konnte, erfolgte die Trinkwasser-Warnung des Gesundheitsamtes des Rhein-Neckar-Kreises nicht nur für Dossenheim, sondern vorsorglich für das gesamte Heidelberger Stadtgebiet. Das Gesundheitsamt im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis ist nicht nur für den Landkreis, sondern auch für die Stadt Heidelberg zuständig.

Untersuchungen ohne Auffälligkeiten

Alle Parameter der Trinkwasserverordnung waren bei den ersten Untersuchungen am Donnerstag ohne Auffälligkeiten. Auch weitere Proben, die danach genommen wurden, bestätigten die unauffälligen Ergebnisse vom Donnerstag. Die Trinkwasserverordnung ist eine bundesweit gültige Rechtsgrundlage. Sie soll die Menschen vor nachteiligen Einflüssen, die sich aus der Verunreinigung von Wasser ergeben können, schützen. Auf dieser Rechtsgrundlage werden durch die deutschen Wasserversorger regelmäßig Wasserproben auf rund 150 unterschiedliche mikrobiologische, physikalische und chemische Parameter untersucht. Getestet werden unter anderem Belastungen mit Keimen, der pH-Wert und verschiedene Schwermetalle wie zum Beispiel Blei und Kupfer. „Vor dem Hintergrund der zahlreichen durchgeführten Untersuchungen und ihrer unauffälligen Ergebnisse besteht für die Bevölkerung kein Grund zur Besorgnis“, erklärte der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Rainer Schwertz. „Es ist uns durchaus bewusst, dass die Trinkwasser-Warnung teilweise für erhebliche Unruhe in der Bevölkerung gesorgt hat. Gleichwohl musste das Gesundheitsamt rein vorsorglich so handeln, denn nach Eingang erster Meldungen war nicht auszuschließen, dass es ein Problem mit dem Trinkwasser gab“, so Schwertz weiter.

Konkreter Stoff für die leicht bläuliche Färbung konnte bisher nicht nachgewiesen werden

Das Gesundheitsamt und die Stadtwerke Heidelberg arbeiten intensiv daran, um insbesondere in Zusammenarbeit mit den Experten des Technologiezentrums Wasser in Karlsruhe und dem Hygieneinstitut der Universität Heidelberg der Ursache der bläulichen Färbung auf den Grund zu gehen. „Es wurden etliche Möglichkeiten überprüft. Unter anderem wurden Stoffe, die das Wasser bläulich färben können, untersucht. Hierzu zählen beispielsweise Kupferverbindungen“, erläutert Dr. Schwertz das Vorgehen des Gesundheitsamtes. Ein konkreter Stoff oder eine bekannte chemische Reaktion, die für die leicht bläuliche Färbung des Wassers verantwortlich sein könnte, wurde dabei nicht nachgewiesen.

Auch sog. "Tracerversuche" wurden überprüft

Im Rahmen der Ursachenforschung wurden ferner auch in der Vergangenheit durchgeführte Tracerversuche überprüft. Tracer werden als Nachweisstoffe eingebracht, um den Verlauf von unterirdischen Wasserbewegungen zu bestimmen. Damit kann unter anderem die Lage von Wasserscheiden festgelegt werden. Aus diesem Grund wurde Kontakt mit dem zuletzt in der betroffenen Region tätigen Ingenieurbüro aufgenommen. Beim letzten bekannten Tracerversuch auf Dossenheimer Gemarkung wurden keine Farbstoffe zum Einsatz gebracht, sondern es wurde eine Salzlösung verwendet. Auch die bisherige Recherche nach weiter zurückliegenden Tracerversuchen auf den Einsatz möglicher Farbstoffe ergab keine Hinweise.

Die bisherigen Untersuchungen haben außerdem keinen Zusammenhang mit dem Unfall in einer Recycling-Anlage am 2. Februar in Wieblingen ergeben. Bei dem Unfall ist unter anderem der Stoff Toluol in Form von Dampf in die Luft entwichen. Von einem Eintrag in den Boden ist nichts bekannt. Unwahrscheinlich sind zudem nach Aussage geologischer Experten plötzliche Änderungen der Färbung des Wassers aufgrund geogener Einflüsse. Damit sind Veränderungen in der Gesteinsschicht gemeint.

Probebetrieb ohne Anbindung an die Trinkwasserversorgung soll erfolgen

Störungen an der technischen Anlage des Wasserwerkes Entensee sind nicht bekannt. Zur weiteren Abklärung der Ursache für die Färbung soll schnellstmöglich ein Probebetrieb des Wasserwerks – ohne Anbindung an die Trinkwasserversorgung – erfolgen. Der Probebetrieb wird dabei durch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes und durch Experten des Technologiezentrums Wasser Karlsruhe überwacht. Von dem Probebetrieb erhofft sich das Gesundheitsamt weitere Erkenntnisse.

Hintergrund:

Dem Gesundheitsamt liegen bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Meldungen über gesundheitliche Beeinträchtigungen durch das Trinkwasser vor. Alle unmittelbar durchgeführten Analysen kamen zu unauffälligen Ergebnissen. Sämtliche Werte der Trinkwasserverordnung wurden eingehalten. Dennoch bleibt das Wasserwerk Entensee in Handschuhsheim bis auf Weiteres vom Netz. Die Verbraucher erhalten Wasser aus anderen Bezugsquellen.

Bei der Ursachenforschung wird auch die Tatsache berücksichtigt, dass bei der Einschätzung der Farbe die Lichtverhältnisse eine Rolle spielen können. Die Wasserproben wurden daher auch dahingehend untersucht, ob Stoffe darin enthalten sind, die das Wasser bei bestimmten Lichtverhältnissen für das menschliche Auge bläulich erscheinen lassen. Dazu wurden spektrometrische Untersuchungen durchgeführt. Dies sind objektive Messverfahren, welche die Lichtabsorption eines Mediums messen. Das Ergebnis: Für die Wellenlängen, die Stoffe kennzeichnen, die eine Blau-Färbung verursachen können, wurde keine auffällige Absorption festgestellt.