Tatsächlich sind dabei Mütter aller Bevölkerungsschichten betroffen, die psychischen Erkrankungen sind in hohem Maße stigmatisierend und bleiben daher oft unerkannt und unbehandelt. Betroffene Frauen ziehen sich aus Scham, Angst und Schuldgefühl zurück und sind mit Therapiemaßnahmen und Beratungsangeboten nur schwer zu erreichen. Häufig verschließen sie sich sogar diesen Unterstützungsangeboten zum Kindeswohl. Eine Chance, kindlichen Entwicklungsrisiken vorzubeugen, besteht aber darin, frühzeitig solche Faktoren zu erkennen, die sich auf die Lebensbedingungen der Kinder ungünstig auswirken können.
Dazu haben in gemeinsamer Verantwortung seit 2008 die Jugendhilfe und die Psychiatrie das so genannte perinatale Präventionsnetz „Hand in Hand" im Rhein-Neckar-Kreis aufgebaut. Ziel des Projektes war es, im Kreis die Versorgungsstrukturen des Gesundheitswesens und der Jugendhilfe zu koordinieren und ein Netzwerk von Unterstützungsangeboten für psychisch belastete und jugendliche Mütter nach der Geburt zur Prävention von kindlichen Entwicklungsrisiken und Kindeswohlgefährdung zu etablieren.
Bei einer gemeinsamen Besprechung stellten Dr. Christiane Hornstein, Ärztin am Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN), und Jugendamtsleiter Roland Schulz fest, dass in den vergangenen zwei Jahren gute Arbeit geleistet wurde. Es gibt nun ein interdisziplinäres Helfersystem, die Fachkräfte aus Gesundheitswesen und Jugendhilfe wurden in rund 90 Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen qualifiziert. So konnten fast 900 Personen aus dem Rhein-Neckar-Kreis, die Mütter und Kinder nach der Geburt betreuen, erreicht werden. Sogar 30 Hebammen haben zwischenzeitlich eine psychosoziale Qualifikation, die vom Hebammenverband anerkannt wird, erhalten. An den geburtshilflichen Stationen der Kreiskrankenhäuser Schwetzingen, Sinsheim und Weinheim werden Mütter mit Neugeborenen nach einem abgestimmten Handlungsablauf auf ihre möglichen psychosozialen Belastungen hin befragt, um möglichst früh Risiken zu erkennen. Es bestehen jetzt auch Unterstützungsangebote, wie eine therapeutische Müttergruppe am Kreiskrankenhaus Schwetzingen, die Selbsthilfegruppe Wiegeschritt am PZN, eine Clearingstelle im Jugendamt sowie eine Perinatalsprechstunde am PZN.
Roland Schulz dankt ausdrücklich Dr. Christiane Hornstein, Dr. Elke Wild und Dr. Patricia Trautmann für die vielfältigen Fortbildungsmaßnahmen und Informationsveranstaltungen, die unter fachärztlicher Leitung von Dr. Hornstein zustande gekommen sind. Auch in Zukunft werden Fortbildungsmaßnahmen für Hebammen, Fachkräfte der Jugendhilfe und Schwangerenberatung sowie Workshops und Runde Tische mit der Möglichkeit der interdisziplinären Fallsupervision an den Kreiskrankenhäusern im Rhein-Neckar-Kreis stattfinden. Die Beteiligten waren sich darüber einig, dass niedergelassene Ärzte noch besser und stärker mit dem Vorhaben vernetzt werden müssen, damit das perinatale Präventionsnetz ein wirklich umfassendes Hilfsangebot sein kann.
Zuständig für das Präventionsnetz ist im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis Susanne Keppler, die unter der Telefonnummer 06221/522-1510 zu erreichen ist.
Ausführliche Informationen zum Perinatalen Netzwerk Hand-in-Hand sind unter
www.hand-in-hand-rheinneckar.de zu finden.
