Die Entscheidung fiel im ersten Wahlgang, nachdem Stefan Dallinger (CDU) sowie seine Mitbewerber Alexander Eger (parteilos) und Rolf Geinert (SPD) dem Gremium ihre Gedanken und Ideen für eine Amtsführung erläutert hatten. Auf Alexander Eger entfielen acht Stimmen, auf Rolf Geinert 38 Stimmen. Im ersten Wahlgang mussten mindestens 52 Stimmen der insgesamt und vollzählig anwesenden 103 Kreisrätinnen und Kreisräte für die erfolgreiche Wahl erreicht werden, zwei Stimmen waren ungültig, die Kandidaten Eger und Geinert durften wegen Befangenheit nicht mitwählen.
Über 300 Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Rhein-Neckar-Kreis, darunter ehemalige Kreisrätinnen und Kreisräte sowie die Bürgermeister der Städte und Gemeinden, folgten den Vorstellungen mit großer Aufmerksamkeit. Landrat Dr. Jürgen Schütz, dessen Amtszeit am 30. April 2010 endet, sprach im Blick auf die Vorstellungsreden und dem Ambiente der Kreistagssitzung - zum ersten Mal wurde ein Landrat nicht im Großen Sitzungssaal des Heidelberger Landratsamts gewählt - "von einer Sternstunde des Kreistags".
In ihren Vorstellungsreden hatten alle drei Bewerber auf die gute Arbeit des Rhein-Neckar-Kreises in der Vergangenheit hingewiesen. Für die Zukunft setzte Stefan Dallinger, Verbandsdirektor des Verbandes Region Rhein-Neckar und Geschäftsführer der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH, auch im Blick auf kommende finanziell schwieriger werdende Zeiten, seine Schwerpunkte bei der Wirtschaftsförderung, bei der Bildung, der Ökologie sowie in der Sozial- und Jugendförderung.
Alexander Eger, Bürgermeister von St. Leon-Rot, wollte ebenfalls bei Bildung, Wirtschaftsförderung, im ÖPNV und bei der Bewältigung des demografischen Wandels sowie im Sozialhilfebereich Initiativen ergreifen.
Für Rolf Geinert, Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Sinsheim, galt es, das vorhandene positive Profil des Rhein-Neckar-Kreises in Schule, Kultur und bei den Gesellschaften weiterzuentwickeln, präventive Jugend- und Sozialarbeit zu fördern sowie den Gemeinden ein konstruktiver, hilfsbereiter und verlässlicher Partner zu sein.
Alle Kandidaten hatten ihre Vorstellungen knapp und präzise vorgetragen, keiner die ihm zustehenden 15 Minuten ausgeschöpft.
Der nun zum Landrat gewählte Stefan Dallinger war in seiner Rede auf seine enge, auch familiäre Verwurzelung mit der Kurpfalz eingegangen und hatte betont, dass es bei allen seinen bisherigen Tätigkeiten als Amtsleiter im Landratsamt, Erster Bürgermeister der Stadt Schwetzingen und seit 2006 als Verbandsdirektor der Metropolregion sein Ziel gewesen war, „nahe an den Menschen und für die Bürgerinnen und Bürger tätig zu sein". Deshalb habe er auch „mit voller Überzeugung und Neigung" zusagen können, als er gefragt wurde, um das Amt des Landrates im Rhein-Neckar-Kreis zu kandidieren. Er unterstrich, dass der Kreis „sich als erfolgs- und zukunftsorientiert etabliert" habe, wie viele Untersuchungen beweisen. Auf der guten Arbeit des bisherigen Landrates Dr. Schütz und dem Kreistag aufbauend, wolle er diese zusammen mit den Kreisrätinnen und Kreisräte sowie den Bediensteten des Landratsamts fortsetzten, neue Ideen einbringen sowie eigene Akzente und Schwerpunkte setzten. Dabei steht für ihn der Kontakt zu den Menschen im Mittelpunkt, deren Sorgen und Nöte er ernst nehme. Im Blick auf die Finanz- und Wirtschaftskrise gelte es, Ideen zu entwickeln, um die Folgen zu bewältigen, ohne die Gemeinden über Gebühr zu belasten.
Wichtig sei ihm dazu auch die Wirtschaftsförderung, denn der Rhein-Neckar-Kreis ist nicht nur herausragender Wohn- und Erholungsort für die Menschen der Region, sondern auch ein guter Standort für Unternehmen, sagte er. Bestandspflege und Ansiedelung neuer Unternehmen sind ihm wichtig, einen hierfür kompetenten Ansprechpartner für Handwerker, Mittelstand, Unternehmen sowie für Kommunen und kommunale Wirtschaftsförderer will er benennen. Weiter gilt es für ihn, das schon ausgezeichnete Bildungsangebot weiter zu verbessern. Aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen sei er in der Lage, Ökologie und Ökonomie sinnvoll zu verbinden, zumal ihm der Klima-, Umwelt- und Naturschutz von großer Bedeutung sei. Dazu gehörten auch energiesparende Maßnahmen.
„Jeder Euro für Jugendhilfe ist sinnvoll angelegt und trägt menschliche Zinsen", sagte er im Blick auf den Sozialbereich. Nirgendwo wende der Kreis so viel Geld auf wie im Sozialen und in der Jugendförderung, was zeige, dass auch Schwache und Benachteiligte mit dem Rhein-Neckar-Kreis einen fairen Partner haben. „Dies wird im Falle meiner Wahl so bleiben", stellte er fest. Als Landrat wünschte er sich eine offene und faire Zusammenarbeit mit allen Fraktionen im Kreistag, gleichgültig welche politischen Parteien und Gruppierungen sie vertreten.
