Wie Kreutz feststellte, liegt mit der am Historischen Institut der Universität Mannheim entstandenen Dissertation von Peter Kaiser nun zum ersten Mal eine zusammenfassende wissenschaftliche Darstellung vor, die nicht nur den politischen und gesellschaftlichen Erfolg des Nationalsozialismus im Landkreis Mannheim beleuchtet, sondern zugleich die Erinnerung an die Opfer jener Schreckensherrschaft wach hält. Historisch Interessierte können nun auf ein Buch zurückgreifen, das wichtig für die lokale Forschung ist, und die das wahre Gesicht des Nationalsozialismus, das auch das Titelbild zeigt, aufdeckt.
In seinem mit großer Aufmerksamkeit des Publikums verfolgten Einführungsvortrag beschrieb Autor Peter Kaiser anhand lokalhistorischer Vorstudien, umfangreicher Recherchen in kommunalen, staatlichen und kirchlichen Archiven sowie komplexer Wahlanalysen, wie sich Machtübernahme und die Herrschaftspraxis des Nationalsozialismus in den 27 Gemeinden des ehemaligen Landkreises Mannheim dargestellt hatten. Dabei hatte er auch andere südwestdeutsche Landkreise im Blick. Neben dem Prozess der politischen „Gleichschaltung", der nach dem 30. Januar 1933 alle Gemeindegremien und Bürgermeisterämter erfasste, beleuchtet er in seinem Buch auch den Alltag im Nationalsozialismus bis zum militärischen Zusammenbruch 1945. Er untersucht, inwieweit in den Städten und Gemeinden die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Maßnahmen der NSDAP und ihrer verschiedenen Gliederungen, unterstützt von einem massiven Partei- und Propagandaapparat, auch hier zur Zustimmung in der Bevölkerung und zur Stabilisierung des Regimes beitrugen.
Die Studie untersucht aber ebenso die Formen des Protests, der Verweigerung und des Widerstands gegen die Machthaber, die ihre politischen Gegner mit unnachgiebiger Härte und Brutalität verfolgten, in „Schutzhaft" nahmen und vor dem Sondergericht in Mannheim aburteilten. In diesem Kontext nimmt sie – im Spannungsfeld zwischen Anpassung und Selbstbehauptung – die Stellung der beiden christlichen Kirchen in den Blick. Sie geht daneben intensiv dem Schicksal der diskriminierten und entrechteten jüdischen Bevölkerung nach, die zunehmend aus dem gesellschaftlichen Leben der Städte und Gemeinden des Landkreises Mannheim verdrängt, verfolgt und nach dem reichsweiten Novemberpogrom 1938 am 22. Oktober 1940 in das südfranzösische Lager Gurs deportiert wurde. Mit einem Ausblick über die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Region und das Kriegsende schließt die Untersuchung. Das Buch beinhaltet zudem vielschichtiges Datenmaterial, das die Ergebnisse der Landtags- und Reichstagwahlen seit 1925 erfasst, und in einem umfangreichen statistischen Anhang aufbereitet. Es erweist sich so für die ehemaligen Mannheimer Kommunen – im wahrsten Sinne des Wortes - als lohnender „Baustein zur Kreisgeschichte", wie Jörg Kreutz abschließend feststellte.
Das Buch von Peter Kaiser „Der Landkreis Mannheim im Nationalsozialismus" ist als Band 9 der Reihe „Bausteine zur Kreisgeschichte" im Eigenverlag des Rhein-Neckar-Kreises erschienen. Es kann zum Preis von 20 Euro über den Buchhandel (ISBN 978-3-932102-20-2) erworben werden oder direkt beim Landratsamt – Amt für Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 06221 522-1222 oder -1773; Fax: 06221 522-1484; E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@rhein-neckar-kreis.de
