Sehr zufrieden zeigte sie sich zusammen mit Schirmherr Landrat Dr. Jürgen Schütz über die „ausgezeichnet hohe Beteiligung von Architekten und Bauherren." Zum Verfahren waren 67 Arbeiten eingereicht worden, die sich über den ganzen Kreis verteilt hatten, eine siebenköpfige Jury aus vier Fachjuroren und drei Sachjuroren vergab jetzt 16 gleichberechtigt nebeneinander stehende Auszeichnungen, die im Januar 2010 mit Urkunden und Plaketten gewürdigt und mit Ausstellung und Broschüre der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Beim Wettbewerb der Architektenkammer geht es darum, Objekte zu finden und darzustellen, die das Wohnen, Arbeiten und Zusammenleben verbessern. Architektur habe die Aufgabe, die bebaute Umwelt in allen Lebensbereichen menschlich zu gestalten – sei es nun für die Familie, für die Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in der Freizeit oder bei der Dorf- und Stadtgestaltung insgesamt, schildert Carmen Mundorff. So umfassten die 67 eingereichten Arbeiten auch alle Bereiche, vom Wohnen über öffentliche Bauten, Industrie- und Gewerbebau, Planen und Bauen im Bestand, städtebauliche Projekte und Innenraumgestaltung. Die Arbeiten rangieren alle auf einem hohen Niveau, erfreulich ist auch, dass von den 18 ausgezeichneten Architekturbüros 69 Prozent aus dem Landkreis sind.
Deutlich werde, so Mundorff, dass gute Architektur nicht mit mehr Geld, sondern mit einem Mehr an geistigem Aufwand und Engagement zu tun habe, welches von Architekten und Bauherren gleichermaßen geleistet werden müsse. Dies zeigt sich in dem aktuellen Verfahren im Rhein-Neckar-Kreis bei allen ausgezeichneten Bauten sehr deutlich – egal ob bei den Wohnhäusern, den Kirchengemeindezentren, Salzlagerhalle, der Umnutzung eines Aussiedlerhofes oder bei einer Brücke.
Die Garten- und Landschaftsarchitektin Cornelia Biegert aus Bad Friedrichshall als Sprecherin der Jury erläuterte die Kriterien, anhand derer bewertet worden war. Äußere Gestalt mit Maß und Proportion des Baukörpers, Formensprache, Wahl der Materialien, Farben, Struktur der Fassaden spielten dabei ebenso eine Rolle wie die innere Gestalt, d. h. Grundriss, Raumaufteilung, Raumqualität oder die Reaktion auf das städtebauliche Umfeld und das Verhältnis zur Nachbarbebauung. Auch wirtschaftliche, energetische sowie soziale Aspekte flossen in die Bewertung ein. Das heißt, Bauherren und Architekten haben bereits in der Planungsphase neben den Investitionskosten auch die Lebenskosten der Gebäude in Betracht gezogen oder sich darüber Gedanken gemacht, wie ein Gebäude in verschiedenen Lebensphasen nutzbar ist.
Neben einer Reihe ausgezeichneter Wohnhäuser fand vor allem auch der Kindergarten Bannholz in Wiesloch, der hervorragend mit dem umgebenden Gelände harmoniert, das Gefallen der Jury. Auch die Sonnenberghalle in Angelbachtal „bettet sich weich in die Landschaft ein", befand Biegert, wobei Landrat Dr. Schütz zudem auf die wirtschaftlich gute Kosten-Nutzen-Relation dieser Mehrzweckhalle hinwies. Auch die Neuapostolische Kirche in Eberbach, das Evangelische Gemeindezentrum Neulußheim oder das Lutherhaus in Schwetzingen verfügen über eine sehr gute Formensprache, die mit dem Umfeld erfreulich korrespondiert. Unter den vier eingereichten Industrie- und Gewerbebauten wurde der Salzlagerhalle der Autobahnmeisterei in Walldorf hohe architektonische Qualität bescheinigt, bei der allerdings bedauert wurde, dass „das wunderbare Holzgebäude wegen des Bewuchses eigentlich nur im Herbst und Winter gut zu sehen" sei, anders als die ebenfalls gewürdigte SAP-Campus-Brücke in Walldorf, eine wohltuend schlicht gestaltete Fußgängerbrücke, die harmonisch mit dem modellierten Gelände zusammenspielt.
Unser Bild zeigt von links nach rechts: Werner Ueberrein, Vorsitzender der Architektenkammergruppe Rhein-Neckar-Kreis, Garten- und Landschaftsarchitektin Cornelia Biegert, Sprecherin der Jury, Carmen Mundorff, Pressesprecherin der Architektenkammer, Schirmherr Dr. Jürgen Schütz und Jürgen Obländer, Betriebsleiter Bau und Vermögen Rhein-Neckar-Kreis und Mitglied der Jury, mit den ausgezeichneten Objekten aus dem öffentlichen Raum.
