Landrat Dr. Jürgen Schütz übergab am 29. September unter großer Beteiligung und im Beisein des Kreisbeigeordneten des Kreises Bergstraße Volker Buser sowie Ladenburgs stellvertretender Bürgermeisterin Gudrun Ruster ein Kunstwerk des in Heidelberg geborenen und in Hördt/Pfalz lebenden Künstlers Andreas Helmling.
"Ein Kreisverkehrsplatz ohne ein Kunstwerk im Mittelpunkt, ist wie Suppe ohne Salz", befand der Landrat, betonte aber, dass dieses im Zusammenhang mit dem Umfeld stehen müsse. Als Pendant zur neuen Martinsschule biete das 4,60 Meter hohe, 6 Tonnen schwere Gesamtwerk nun ein „sehenswertes Entrée am Ortseingang aus Richtung Schriesheim." Dass der Landrat damit richtig liegt, zeigen die vielen positiven Kommentare, die seit der Errichtung des dreigliedrigen Werkes aus Pferd, St. Martin und den Bettler zu hören waren.
Trotz ihrer Dimension strahlt die Skulptur eine unglaubliche Leichtigkeit aus. Als wolle sie uns sagen „leicht ist das Teilen, wenn es mit freudigem Herzen geschieht, wenn wir erkennen, dass wir alle füreinander da sind", schilderte Dr. Schütz. Er erinnerte daran, dass die Verehrung des heiligen Martin in Ladenburg eine lange Tradition habe, schon die älteste Kirche Ladenburgs sei eine Martinskirche gewesen und im mittelalterlichen Stadttor stehe er noch heute. Im Übrigen halte die Kolpingsfamilie mit ihrem am 11. November veranstalteten Martinszug, der in diesem Jahr zum sechzigsten Mal stattfindet, die Erinnerung an den Heiligen aufrecht.
Künstler Andreas Helmling sei ein großes Kunstwerk gelungen, bescheinigte Dr. Schütz. Gerade weil weder St. Martin noch der Bettler ein Gesicht trügen, spreche die Skulptur alle Menschen an und fordere zu Humanität auf. Obwohl aus Stahl, sei sie voller Leben, meinte der Landrat, was der Künstler, der sich seit fast 20 Jahren immer wieder einmal mit Pferdeskulpturen beschäftigt, bestätigt. „Die Verbindung von Mensch und Tier ist eine Schicksalsgemeinschaft von Geist und Emotion." Helmling, der schon einige Großplastiken im öffentlichen Raum, darunter einen St. Mauritius als Ortsheiligen für Rülzheim bei Germersheim und einen „Don Quijotte" geschaffen hat, schilderte seine Überlegungen zu St. Martin. Ruhig und unbedrohlich habe er zunächst das Pferd gestaltet, besonnen, mit nur einem Bein erhoben. Am Boden kniet der Bettler, im Mittelalter traditionell als einbeiniger Behinderter mit Krückstock dargestellt. Als Kontrast sitzt der Ritter scheinbar abgehoben hoch zu Ross. Doch er wendet sich dem Bettler zu, teilt seinen Mantel, gibt Wärme und Schutz ab. „Dann wird seine Bereitschaft zu teilen entlohnt werden, denn es stellt sich heraus, dass der da unten, bettelnd und frierend, eigentlich der Höchste ist, Christus selbst." In diesem Rollentausch könne man auch erkennen, was für die Martinsschule gelte, nämlich dass wer abgebe, teile, hinzugewinne, belohnt werde, so der Künstler abschließend.
Übrigens lohnt es sich, das Kunstwerk zu umrunden. Durch den sich verändernden Licht- und Schattenwurf zeigt die Skulptur immer wieder einen anderen Eindruck, und wenn man Ladenburg verlässt, überschneiden sich die Silhouetten von Pferd und Reiter für einen Augenblick. Dann geschieht etwas Träumerisches: Das Schwert des Ritters wird zum Horn des Pferdes, es wird zum Einhorn. Und dieses Fabelwesen ist in der Geschichte ein Symbol für das Gute an sich…
