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Startseite Aktuelles 2009 04 Landratsamt wird 40 Jahre alt
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28.04.2009 Landratsamt wird 40 Jahre alt


Landratsamt_1972
Wenn heute in Heidelberg südlich des Hauptbahnhofes für den neuen Stadtteil „Bahnstadt" gegraben und gebaut wird, so wiederholt sich die Geschichte. Vor etwas mehr als 50 Jahren geschah etwas Ähnliches. Als man den alten, am jetzigen „Mengler-Bau" gelegenen Hauptbahnhof an seinen heutigen Platz verlegt hatte, wurde das etwa 24 Hektar große Areal dazwischen für die neue städtebauliche Nutzung umgestaltet, die vierspurige Kurfürstenanlage und eine neue Straßenbahnlinie gebaut.

Die neue Straße mit dem ebenfalls neuen „Römerkreis" sollte als Visitenkarte der Stadt dienen. Auch wenn sich die ursprünglich geplante Bebauung nur in Ansätzen verwirklichen ließ, fanden doch eine Reihe von Behördengebäuden hier eine neue Heimat, darunter das Landratsamt, das am 2. Mai 1969 in Betrieb ging. Heute arbeiten unter den 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Rhein-Neckar-Kreises noch 17, die damals, Ende April 1969, den Umzug beim ehemaligen Landkreis Heidelberg aus dem schon lange zu eng gewordenen Palais Boisserée und der attraktiven Lage am Karlsplatz in das hoch moderne Amt an der Kurfürstenanlage mitgemacht haben.

40 Jahre Landratsamt

Sie waren dabei, als vor 40 Jahren das Landratsamt, damals noch des Kreises Heidelberg, vom Palais Boisserée am Karlsplatz in die Kurfürstenanlage umzog (von links): Gerhard Weber, Paul Schäfer, Heinz Bönisch, Gerhard Busch, Albin Herrmann, Willi Grauer, Friedbert Steigleder, Walter Reichert, Rainer Schlicksupp, Friederike Erles, Elfriede Weidner, Bernhard Keller, Ute Stolz, Johanna Hotz und Gabriele Kunkel-Amghar. „Sie alle haben sich super gehalten, das Landratsamt allerdings hat seine Ansicht in dieser Zeit zwei Mal gravierend verändert", befand der Landrat. Und zusammen mit Edith Heckert und Gabriele Sidar (nicht auf dem Foto) stehen sie gemeinsam für „über 700 Jahre motivierte und engagierte Mitarbeit, eine riesige Leistungsbereitschaft und Verwaltungserfahrung, die den Menschen im Rhein-Neckar-Kreis zugute kommt", lobte Dr. Schütz.

 

„Ach, was war das noch für eine Zeit", schmunzelte Landrat Dr. Jürgen Schütz, als er beim gemeinsamen Fototermin die eine oder andere Geschichte zu hören bekam. Denn bevor man den Neubau für rund 200 Mitarbeiter, der sich über fünf Stockwerke mit großzügigen Büro- und Geschäftsräumen, Registraturen, Warte- und Sitzungssälen, Zulassungsstelle und Tiefgarage sowie der eigenen Kantine erstreckte, nutzen konnte, mussten vornehmlich junge Kolleginnen das Frühstück bei Bäcker und Metzger in der Altstadt für die Kollegen einkaufen gehen. Und was die moderne Rollregistratur im Keller als technische Errungenschaft Wert war, zeigte sich bei einem sehr realen „Aktensturz", als Registraturschränke im alten Ausgleichsamt zusammenbrachen und einige Kolleginnen regelrecht verschüttet wurden. Beim Umzug wurde Datenschutz schon groß geschrieben, hatte aber auch einen sehr persönlichen Charakter. Die Mitarbeiter der damaligen Haupt- und Finanzverwaltung haben nämlich beim Umzug die Personalakten persönlich bewacht und saßen mit baumelnden Beinen auf den Kisten, die auf den Ladeflächen von LKWs vom Karlsplatz in die Kurfürstenanlage fuhren.

Im neuen Amt war man schnell heimisch. Auch wenn der eine oder andere Unfall für Aufmerksamkeit sorgte, etwa als ein Kollege beim Türöffnen zu stürmisch war und sich, mit dem Griff in der Hand, gerade noch vor der aus den Angeln fallenden Tür retten konnte. Zum „Wir-Gefühl" beigetragen hat sicherlich, dass man damals viel mehr die Gemeinschaft pflegte. Oft habe man sich spontan nach dem Dienst zusammengefunden, um zu feiern, erinnerten sich die Mitarbeiter, und das lange bevor das Wort „after-work-party" auch nur erfunden war. Der heutige Verwaltungsdezernent Paul Schäfer hatte für solche Fälle übrigens immer sein Tonband mit Lautsprecherboxen und Musik für 30 Stunden im Kofferraum…

Mit dem Umzug war der damalige Heidelberger Landrat Georg Steinbrenner, der sich seit seinem Amtsantritt am 26. Februar 1954 intensiv um ein neues Landratsamtsgebäude bemüht hatte, endlich am Ziel. Nach außen setzte das markante Gebäude mit seiner hellen Fassade aus Carrara-Schotter-Platten einen Kontrapunkt zu den würfelförmigen Gebäuden der Finanz- und Justizverwaltung mit ihren dunklen Fassaden auf der anderen Römerkreisseite. Das betonte auch optisch die Eigenständigkeit der Kreisverwaltung. Nach innen verbesserte sich der Dienstbetrieb durch die Zusammenführung der damals 11 Ämter ebenfalls erheblich. Der 54 Köpfe zählende Kreistag konnte im Großen Sitzungssaal tagen, des Öfteren bewirtet von Mitarbeiterinnen der Kreisverwaltung, die bei Sitzungen auch Kaffee ausschenken mussten.

Im Kreistag nicht unumstritten war übrigens, vor allem wegen der Betriebskosten, die heute nicht mehr existierende Vollklimatisierung des Gebäudes. Hier aber hatte sich Landrat Steinbrenner durchgesetzt, der angesichts der (befürchteten) Emissionen des nebenan liegenden Heizkraftwerks der Stadtwerke und der Verkehrsbelastungen auf diese „saubere" Lösung drängte. Der alte „Schornstein-Lulatsch" des Fernheizwerks Mitte, der auf Fotos der damaligen Zeit aus dem Landratsamt zu wachsen scheint, gab übrigens zu manchen Witzeleien Anlass. So hatte man befürchtet, dass er den Arbeitsdampf der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter transportieren würde, oder erhofft, dass er den Rauch der Aktenvernichtung in die Luft entließe. Und ein Passant fand damals, das Landratsamt sehe aus „wie ein Luxusdampfer mit Kamin."

Allzu lange blieb das Haus freilich nicht so. Denn mit der Kreisreform zum 1. Januar 1973, als aus den drei Altkreisen Heidelberg, Mannheim und Sinsheim der Rhein-Neckar-Kreis gebildet wurde, war das nur für Heidelberg, wenn auch mit Raumreserven geplante Gebäude bald wieder zu klein. Erst ließ Landrat Albert Neckenauer 1975 einen Pavillon in Leichtmetall-Fertigbauweise errichten, dann 1983 einen Erweiterungsbau Richtung Kurfürstenanlage anfügen, der seitlich nach Osten und Westen herausgezogen und abgestuft ist, sodass sich nach städtebaulichen Kriterien ein gelungener optischer Übergang zur Kurfürstenanlage bildete. Trotzdem mussten noch einige Ämter ausgelagert bleiben. Nachdem eine weitere Verwaltungsreform 1995 die Gesundheitsämter in die Landkreise eingegliedert hatte, wurde das ehemalige Gesundheitsamtsgebäude auf Vorschlag von Landrat Dr. Schütz 1998 aufgestockt und die beiden seit mehr als 30 Jahren benachbarten Bauten mit einer architektonisch besonders gelungenen neuen Eingangshalle miteinander verschmolzen. Sie ragt wie ein Schiffsbug in die Kurfürstenanlage, womit „die Architektur einmal mehr zur Visitenkarte für die Zukunft einer Stadt und eine moderne bürgernahe Verwaltung" wurde, wie der Landrat bei deren Einweihung feststellte.

Mit der Einweihung des modernen Dienstgebäudes am 23. Mai 1969 – zur Grundsteinlegung 1967 hatte Landrat Steinbrenner noch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Bus aus der Altstadt herbeibringen lassen – ging vor 40 Jahren das Kapitel „Hauptstraße 207/209 – Palais Boisserée" nach mehr als 140 Jahren zu Ende. Das alte Dienstgebäude wurde an das Land verkauft, das es der Universität zur Verfügung stellte. Heute ist dort das Germanistische Seminar untergebracht.

 



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